Der häufigste Satz, den ich vor einer Hochzeit höre: „Wir sind total unfotogen." Meine Erfahrung von jeder einzelnen Hochzeit bisher: Das stimmt fast nie. Was Menschen auf Bildern steif aussehen lässt, ist selten das Gesicht. Es sind Zeitdruck, Unsicherheit und das Gefühl, „posieren" zu müssen. Hier sind die Dinge, die daran wirklich etwas ändern.
Vor der Hochzeit
1. Plant großzügiger, als ihr denkt
Der größte Feind schöner Bilder ist Hetze. Wenn das Paarshooting zwischen Kaffeetafel und Buffet in zwanzig Minuten gequetscht wird, sieht man das den Bildern an: an den Schultern, am Blick, an der Körperhaltung. Rechnet für ein entspanntes Paarshooting mit 45 bis 60 Minuten und legt zwischen die Programmpunkte lieber zehn Minuten Puffer zu viel als zu wenig.
2. Macht ein Kennenlernen aus
Vor einer fremden Person zieht man automatisch die Schultern hoch. Ein lockeres Treffen oder ein Videocall vorab nimmt genau das raus. Am Hochzeitstag steht dann kein Dienstleister mit Kamera vor euch, sondern jemand, den ihr kennt. Das ist der wahrscheinlich unterschätzteste Tipp dieser Liste.
3. Sammelt Bilder, die euch gefallen, aber nicht zu viele
Ein kleines Moodboard (Pinterest reicht völlig) hilft enorm, um über Bildsprache zu sprechen: Mögt ihr warme, kräftige Farben oder eher blasse, helle Bilder? Dokumentarisch oder inszeniert? Fünf bis fünfzehn Bilder sagen mehr als lange Beschreibungen. Was dagegen selten gut funktioniert: eine Liste mit siebzig nachzustellenden Posen. Dann arbeitet man eine Liste ab, statt euren Tag zu erleben.
4. Denkt an eine Liste, aber nur für Gruppenbilder
Bei den formellen Familienbildern ist eine Liste Gold wert, denn hinterher fällt niemandem mehr ein, dass Oma auf keinem Bild ist. Schreibt die Konstellationen auf („Brautpaar + Eltern Braut", „Brautpaar + Geschwister") und bestimmt eine Person aus der Familie, die die Leute zusammentrommelt. Das spart realistisch zwanzig Minuten.
5. Klärt vorher, ob Gäste fotografieren dürfen
Zwanzig Handys im Mittelgang beim Einzug sind ein echtes Problem: Sie stehen im Bild und die Gäste erleben den Moment durch ein Display. Viele Paare bitten deshalb am Anfang um eine „unplugged ceremony". Nach der Trauung dürfen dann alle wieder knipsen, so viel sie wollen.
Am Hochzeitstag
6. Getting Ready: räumt den Raum auf
Beim Fertigmachen entstehen oft die ruhigsten, schönsten Bilder, aber der Hintergrund entscheidet mit. Ein Zimmer mit Tageslicht und ohne Wäscheberge auf dem Bett macht einen sichtbaren Unterschied. Legt Kleid, Schuhe, Ringe und Einstecktuch an einer Stelle bereit, statt sie zusammensuchen zu müssen.
7. Sucht den Schatten, nicht die Sonne
Pralle Mittagssonne ist das schwierigste Licht überhaupt: harte Schatten, zusammengekniffene Augen, Glanz auf der Haut. Ein Platz im Schatten eines Baumes oder Gebäudes wirkt fast immer schmeichelhafter. Wenn ihr die Wahl habt, legt das Paarshooting nicht auf 13 Uhr.
8. Nutzt die goldene Stunde
Die letzte Stunde vor Sonnenuntergang liefert das weichste, wärmste Licht des Tages. Diese Bilder sehen später oft aus wie aus einem Film. Schaut nach, wann an eurem Datum die Sonne untergeht, und plant zehn bis fünfzehn Minuten dafür ein. Ihr müsst dafür die Feier nicht lange verlassen.
9. Redet miteinander statt in die Kamera zu schauen
Der Trick gegen steife Gesichter ist banal und wirkt jedes Mal: Anschauen, nicht die Kamera. Geht ein paar Schritte, erzählt euch etwas, lacht über die Situation. Meine besten Bilder entstehen fast immer in den Sekunden nach einer Anweisung, wenn ihr denkt, es sei gerade nicht wichtig.
10. Vergesst nicht zu essen und zu trinken
Kein Fototipp im engeren Sinn, aber Erschöpfung sieht man auf Bildern sofort. Wer seit acht Stunden nichts getrunken hat, wirkt am Abend müde und angespannt. Nehmt euch die zehn Minuten.
Für die Bilder danach
11. Denkt an die Details, die euch etwas bedeuten
Der Brief der Großmutter, die selbst gemachten Platzkarten, das Erbstück am Handgelenk: Sagt eurem Fotografen, was davon eine Geschichte hat. Sonst ist es nur ein Foto von einem Armband und nicht das Foto von Omas Armband.
12. Plant den Umgang mit den Bildern mit ein
Überlegt vorher kurz, was ihr später mit den Bildern machen wollt: ein Album, große Prints an der Wand, ein Ordner für die Eltern? Wer das früh weiß, wählt am Ende bewusster aus, statt 700 Dateien auf einer Festplatte liegen zu lassen.
Das Wichtigste zum Schluss: Der Tag gehört euch, nicht der Fotografie. Die Bilder, die Paare Jahre später am liebsten anschauen, sind fast nie die perfekt inszenierten. Es sind die, auf denen jemand lacht, weint oder sich unbeobachtet fühlt. Alles oben dient nur dazu, dass genug Raum für solche Momente bleibt.